Willkommen beim Heimatverein Karlsbad

Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg finden keine Veranstaltungen des Heimatvereins statt.
Deshalb bleibt auch das Heimatmuseum bis auf weiteres geschlossen.

Es gibt einiges zu entdecken im Heimatmuseum

100 Jahre elektrischer Strom in Ittersbach

Vor 100 Jahren, am 21. April 1921, floss erstmals Strom nach Ittersbach. Geliefert wurde der Strom vom „Murgwerk Forbach“, dem späteren Badenwerk. Über‘s Stromhäusle (= Umspannstation Milchzentrale) wurde der Strom im Dorf verteilt. Maurermeister Gieck und sein Gehilfe Christian Dennig erbauten die gemauerte Turmstation in den Jahren 2019 bis 2021. Das sanierungsbedürftige Stromhäusle wurde 2017 abgerissen. Heute erinnert eine Informationstafel in der Pfinztalstraße an das Stromhäusle.

Die Ittersbacher beleuchteten bis dahin ihre Stuben mit Kerzen, Petroleum- oder Karbidlampen. Obwohl die Elektrizität „Licht auf Schalterdruck“ versprach, waren die Bürger davon anfangs wenig begeistert und hatten Angst vor der „drastisch erhöhten Feuergefahr“. Gemeinderat und Bürgerausschuss versuchten deshalb, den Bürgern die elektrische Energie mit Zuschüssen schmackhaft zu machen. Dem Gemeinde-Rechnungsbuch aus dieser Zeit ist folgendes zu entnehmen: „Laut anliegendem Beschluss des Bürgerausschusses vom 4. August 1920 erhält jeder Hausbesitzer der Gemeinde Ittersbach einen Zuschuss für die Einrichtung des elektrischen Lichtes, und zwar derjenige, der im ersten Stock nicht weniger als zwei Lichter einrichtet, 500 Mark, derjenige der im 2. Stock eine Lampe einrichtet, 150 Mark, und richtet er mehrere Lichter ein, so erhält er den Höchstbetrag von 300 Mark für den 2. Stock.“
Einer der ersten Bürger, der diesen Zuschuss erhielt war der Maurer Friedrich Karcher. Die Hausanschlüsse führte die Firma Engel aus Pforzheim aus, für die der Elektroinstallateur Friedrich Schneider aus Nöttingen die Hausleitungen verlegte. Während dieser Zeit lernte er Luise Rüffle kennen, die er 1923 heiratete. Von nun an las die Familie Schneider die Stromzähler ab und kassierte für das Badenwerk das „Lichtgeld“. Die anfallenden Reparaturen erledigte „da Liecht Schneida“ – wie ihn die Ittersbacher nannten - ebenso. 

Obwohl unsere Vorfahren anfänglich der Elektrizität misstrauisch gegenüber standen, lernten sie die neue Technologie schnell zu schätzen. Die mühevolle und oft harte Handarbeit im Haushalt, auf den Feldern   oder in gewerblichen Betrieben wurde durch die elektrische Energie deutlich erleichtert. Mit dem flächendeckenden Einzug des Stroms in die Dörfer zu Beginn der 1920-er Jahre verbesserten sich die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung erheblich; technischer Fortschritt zum Wohle der Menschen.

Heute – 100 Jahre später –  ein Leben ohne Strom? Unmöglich!
Nicht nur das Licht ginge aus, die Lebensmittel im Kühlschrank tauten auf, die Heizung spränge nicht an, die Bahnen führen nicht mehr, Maschinen ständen still, Telefon und Internet fielen aus, das Smartphone streikte usw., usw., … Die Elektrizität und ihre nahezu unerschöpflichen technischen Anwendungsmöglichkeiten, die die letzten 100 Jahre hervorgebracht haben, sind in unserer hochentwickelten Gesellschaft unentbehrlich; man kann sagen lebensnotwendig.
Die rasanten Entwicklungen in der technischen Nutzung von Strom führten in vielen Ländern zu Reichtum und Wohlstand. Die Schattenseite dieser Entwicklung ist ungebremster und verschwenderischer Verbrauch von fossilen Energieträgern zur Stromerzeugung. Die Folgen sind bekannt: Hohe CO2-Emissionen und Klimaveränderungen.
Mit dem Einsatz von erneuerbaren Energieformen, wie z.B. Fotovoltaik, sind erste Schritte in eine klimafreundliche Gewinnung von elektrischem Strom getan, weitere Schritte müssen folgen. Jetzt kommt wieder der technische Fortschritt ins Spiel; mit dessen Hilfe sollte es doch gelingen Klimaneutralität zu erreichen, zum Wohle der Menschen.
 (Quellenangabe: Dieter Kappler, Im Fluss der Zeit, Band 2, 2005)

Herstellung von Ziegelsteinen

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In den Ziegeleien in Karlsbad wurde der Lehm(-boden), der bei uns in teilweise meterhohen Schichten (=Lehmgruben) vorkommt, abgebaut und zu Backsteinen, Ziegeln, Ofensteinen, Kacheln sowie Gefäßen verarbeitet.
Dazu wurde der Lehm mit der Hacke gegraben und mit Wasser eingeweicht. Danach wurde er getrocknet und wieder eingesumpft. Durch diesen Prozess wurden die organischen Bestandteile, wie Pflanzenreste, abgebaut und ausgeschieden. Mit der Sense oder der sogenannten Schrothacke wurde der weiche Lehm dann abgeschnitten und mit Händen und Füßen bearbeitet/"durchgeknetet". Der fertig bearbeitet Lehm wurde in eine Ziegelform gefüllt. Diese waren für Backsteine  aus Eisen oder Holz rechteckig geformt.

Der geformte Backstein wurde dann aus der Form genommen und getrocknet. Zuletzt musste der der Ziegelstein bei 800-1000 ° C gebrannt werden; erst damit erhielt er seine Festigkeit und konnte als Baustein verwendet werden.
(Quelle: Dr. Karl Hillenbrand: ""Die Ziegler von Ittersbach - Ihre Geschichte und Volkskunst", Durlacher Tagblatt ,1964.)
Backstein aus der Dampfziegelei Langensteinbach

Natürlich stellten die Ziegeleien auch Dachziegel her.
Das nachfolgende Bild zeigt Karl-Friedrich Rittmann (1875 - 1960) mit einem von ihm verzierten Firstziegel.



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Ziegler in Karlsbad

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In den Ziegeleien in Karlsbad wurden aus Lehmboden, der bei uns in teilweise meterhohen Schichten vorkommt, abgebaut und zu Backsteinen, Ziegeln, Ofensteinen, Kacheln sowie Gefäßen verarbeitet.
Die Gebäude der ehemaligen Ziegeleien in Ittersbach (am Heerweg, "Alte Ziegelei") und in Langensteinbach (Ittersbacher Straße 2, "Ziegelhütte") sind noch heute zu bewundern. Bei der Renovierung der beiden Gebäude wurden die historischen Außenfassaden erhalten; in beiden Fällen kann man von gelungener Altbausanierung sprechen.
Machen Sie sich selbst ein Bild davon und besichtigen Sie einfach mal diese historischen Gebäude in Karlsbad!

Die Ziegelhütte in Langensteinbach vor der Sanierung:
Zuletzt betrieben die Familien Graule, Kirchenbauer und Nagel die Ziegelei.
 1896 bekam der Betrieb Konkurrenz von der "Dampfziegelei ", die sich auf dem heutigen Paradigma-Gelände in Langensteinbach befand (Quelle: Infotafel beim Gebäude).

In Ittersbach betrieb der Bürgermeister Mathias Kappler in der Nähe vom Rathaus ebenfalls eine Ziegelei. Das Bild zeigt ihn und seine Mitarbeiter im Jahr 1885.
v.l.n.r.: Hannes (Nachname unbekannt), Jakob Ahr, Karl Haffner, Ludwig Rittmann, Mathias Kappler (Besitzer), Friedrich Dietz, Mathias Ahr, Jakob Zentner, Karl Eberhard, Wilhelm Becker, Johann Haug.

1915 gab als letzte der Karlsbader Ziegeleien, die "Alte Ziegelei" im Ortsteil Ittersbach, ihren Betrieb auf.
Im Heimatmuseum sind einige Produkte, vor allem Ziegel und Backsteine, aus diesen Betrieben ausgestellt.



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​​​Steinhauer in Ittersbach - vor ca. 100 Jahren

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Ihr Arbeitsalltag:
Wie bereits berichtet waren die Steinhauer durch die hohe Staubbelastung beim Abbau und der Bearbeitung des Buntsandsteins starken Belastungen ausgesetzt. Lungenerkrankungen wie Asthma und Tuberkulose waren häufig die Folge.  Lange Arbeitszeiten – von 6.00 – 19.00 Uhr – und die starke körperliche Belastungen kamen dazu, sodass die Lebenserwartung der Arbeiter bei ca. 40 Jahren lag.

Ihr Lohn:
Der Stundenlohn betrug 15 – 20 Pfennige. Häufig wurde im Akkord gearbeitet; 4 – 6 Mark verdienten sie damit am Tag. Nicht sehr viel, um eine Familie zu ernähren.

Ihr Produkt:
Der Ittersbacher Buntsandstein war begehrt. In Ettlingen und Karlsruhe - das mächtige Gebäude des evangelischen Oberkirchenrats wurde aus Ittersbacher Steinen gebaut! – war dieser Baustoff sehr gefragt. Noch heute kann man die Arbeiten der Steinhauer im Ort bewundern: Die ehemalige Kinderschule beim Rathaus, die Volksschule und das Kriegerdenkmal auf dem Friedhofsgelände.

Damit die Sandsteine eine glatte Oberfläche bekamen wurden sie vorwiegend von Kindern mit Bimssteinen bearbeitet.

Gehauene Buntsandsteine (im oberen Stockwerk des Heimatmuseums)

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Mai ohne Maibaum

Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr, ein Jahr, das wir nicht vergessen werden. 2020 wird es nach vielen Jahren erstmals keinen Maibaum in Ittersbach geben. Das "Maibaumstellen" fällt aus. Wir finden das schade, aber wir nehmen diese Pandemie ernst und halten uns an die Regeln.

Wie das Maibaumstellen fallen zurzeit leider auch alle anderen Termine aus. Sobald sich die Lage entschärft und die Beschränkungen wieder zurückgenommen werden, nehmen wir den Museumsbetrieb wieder auf.

Leider wird das Heimatmuseum in diesem Jahr auch zum Internationalen Museumstag am 17. Mai geschlossen bleiben. Unter https://www.museumstag.de finden sich für Interessierte eine Reihe digitaler Angebote, die diese Lücke ein wenig ausfüllen.

Die Eröffnung der zu diesem Datum geplanten Sonderausstellung „Legende Becker“, die sich mit den ersten 60 Jahren Firmengeschichte des Becker Autoradiowerks, heute Harman, beschäftigt, muss leider auf den September verschoben werden.

Der Heimatverein Karlsbad dankt für Ihr Verständnis und wünscht Ihnen allen, dass Sie gesund bleiben.

Rückblick

  • Tag des offenen Denkmals
    08. September 2019 Sonderausstellung zur Steinhauerei in Ittersbach Durch die Pfinzgrabenverwerfung, die für Ittersbach die geologische Besonderheit bedeutet, dass Muschelkalk und Buntsandstein...
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  • Historischer Sandsteintrog eingeweiht
    Initiiert von den Söhnen des im vergangenen Jahr verstorbenen Gustav Mitschele, Hans und Georg, wurde ein Jahrhunderte alter Brunnentrog aus Sandstein seiner ursprünglichen Bestimmung auf neuem Te...
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  • Spaziergang zum Röhrl-Brunnen
    Der Röhrl-Brunnen in Ittersbach war früher, vor der Einrichtung der zentralen Wasserversorgung, einer der Wasserlieferanten des Ortes. Mit der Versorgung durch den „Wasserhahn“ wurde er überflüssi...
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Nachruf

  • Nachruf Bernd Wacker
    In 16 Produktionen mit unterschiedlichen Besetzungen, angefangen 1991 mit dem legendären „Kunst und Käse“ über „Schiller-Parodien“ (2005) bis zu den „Betthupferln“ und „Hans Sachs“ (2011 und 2012) b...
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  • Nachruf Eugen Kern
    Ob frühmorgens im Langensteinbacher Freibad seine Bahnen ziehend, mit dem Fahrrad durch den Ittersbacher Ortskern radelnd oder – falls es die Schneelage am Ittersbacher Südhang zuließ – auf selbst...
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